Sprachdienste

Einfache Tipps für ein gutes Gebrauchsdeutsch im Geschäftsalltag – für Briefe, E-Mails oder Berichte.

Das Missverständnis

Der «mehrbessere» Text ist nicht besser
Nicht Rechtschreibung und Grammatik standen im Mittelpunkt, sondern der Stil. Doch was ist guter Stil? Guter Stil liegt immer in der Angemessenheit: Die Sprache muss zum Thema, zum Anlass und zu den Adressaten passen.
Ein Trauerzirkular darf getrost mit gehobenen, etwas altmodischen Wendungen daherkommen. Aber ein Werbe- oder PR-Text darf das nicht, der muss sprachlich auf dem neusten Stand sein. In einem hochkarätigen Kunstmagazin akzeptieren wir selbstverständlich Fremdwörter und Schachtelsätze. Im Bericht des Feuerwehrkommandanten in der Dorfzeitschrift sind sie hingegen fehl am Platz.
Was passend ist und was nicht, ist auch ein Stück weit Geschmackssache. Ich selbst bin total allergisch auf Papierdeutsch, also wenn sich ein Alltagstext bei der Behördensprache bedient, im Glauben, dies mache sich gut und wirke seriös. Also zum Beispiel wenn «insbesondere die Gewährleistung eines Bedarfes, welcher erforderlich ist, in keiner Art und Weise erfolgt» und dergleichen. Heute werden sogar Ämter darin geschult, bürgernah zu schreiben, darum gibt es keinen Grund, den Bürokratenstil zu übernehmen.
Vielleicht haben es sogar die Schulen in die Welt gesetzt: das Missverständnis, dass ein gesuchtes Wort immer besser als das geläufige sei und alltagsferner Stil immer besser als umgangssprachlicher. Und dass es streng verboten sei, im Text irgendein Wort zu wiederholen.
Viele Alltagstexte sind schlechter, als sie sein könnten, weil sie mehr sein wollen, als sie sind. Sie versteigen und verheddern sich und kommen nicht auf den Punkt. Mit einer einfachen, alltagsnahen Sprache ist man immer auf der sicheren Seite.

Franziska Forter, Korrektorat / Lektorat


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