Sprachdienste

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Floskeln und Sprachklischees

«Musikalische Leckerbissen stehen vor der Tür»
Es ist Januar. Weihnachten hat sich wieder hinter die Tür verzogen, und alle sind hoffentlich gut ins neue Jahr gerutscht. An Silvester habt ihr das gesellige Beisammensein mit Freunden und Familie genossen, vielleicht das Tanzbein geschwungen, sicher aber ausgiebig für euer leibliches Wohl gesorgt – und schliesslich wie Murmeltiere geschlafen. Und nun – wie gesagt – ist Januar und wir müssen den Gürtel wieder enger schnallen. Ob Petrus oder Frau Holle es über die Festtage gut mit uns gemeint haben, ist Ansichtssache …
Floskeln sind tausendfach verwendete Sprachklischees. Sie werden so gerne benutzt, weil sie schnell und bequem zur Hand sind und man nicht lange nachzudenken braucht.
Das Problem mit den Sprachklischees: Durch den übermässigen Gebrauch sind sie abgenutzt, stumpf, verschlissen. Sie langweilen und öden uns an. Warum bloss muss Weihnachten jedes Jahr vor der Tür stehen?
Kürzlich ist mir ein Wort aufgefallen, das Potenzial zur Floskel hat: der Leckerbissen. Alles und jedes, was einem irgendwie gefallen hat, wird neuerdings zum «Leckerbissen»: musikalisch, technisch, filmisch usw. oder eben kulinarisch (wobei das Essen im Bissen ja schon drinsteckt …).
Nun haben nicht alle die Zeit und die Phantasie, sich etwas Frisches auszudenken. Statt abgestandene Floskeln aufzuwärmen, ist es besser, die Sache einfach beim Namen zu nennen: Wenn die ewige Frau Holle am Werk war, hat es geschneit, statt den musikalischen Leckerbissen zu schlucken, wars ein Musikgenuss, und wenn der Frühling vor der Tür steht, ist bald Frühling.

Franziska Forter, Korrektorat / Lektorat


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